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Mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet

Dafür, dass wir mit unseren drei Büchern " Früher war alles viel besser...? "die Erinnerung an die entbehrungsreiche Nachkriegszeit aufrecht erhalten, wurden Karl Pütz und ich im September 2016 mit dem Rheinlandtaler ausgezeichet.

Früher war alles viel besser..? Bd.1 Leben ohne Wasserleitung, Kanalanschluss, Heizung, Kühlschrank...

ISBN 978-3-8322-1872-0    9,90 €

 

Früher war alles viel besser..? Bd.2 Schule und andere Erinnerungen

ISBN 978-3-8322-4692-1    9,90 €

 

Früher war alles viel besser...? Bd 3 Als Sex noch eine Sünde war

ISBN 978-3-86858-792-0     12,90 €

                 Veröffentlichungen

Ich habe bisher als Autor bzw. Co-Autor  6 Bücher veröffent - licht .

Informationen darüber finden sich weiter unten.

(einfach herunterscrollen).

Am Anfang dieser website aber stehen neue Geschichten, die von meinem Freund, Pippes, dem Zaunkönig, berichten.

                     PIPPES 5.Folge                                                               Smartphones                               

"Wieso bist du nicht in wärmere Gegenden weggezogen?", fragte ich Pippes, als er mich dabei beobachtete, wie ich an einem kalten Novembertag einige Baumäste zersägte."Willst mich wohl los werden", antwortete er keck und herausfordernd,"aber dazu besteht keine Veranlassung.Manche Zaunkönige sind .- wie ich z.B.- sogenannte Standvögel, die im Winter in ihrem Revier bleiben,auch bei Frost und Schnee, wenn es dort genug zum Fressen gibt".

"Nun gut", antwortete ich,"das ist ja hier in meinem Efeugarten und in den umliegenden halb verwilderten Gärten mit viel Reisig und Laub ja durchaus der Fall". "Jawohl", meinte Pippes,"und wenn es einmal ganz dicke kommt, so weiß ich im Stadtwald eine große Mulde mit einem auch bei Frost offenen Gewässer, wo ich auf jeden ´Fall noch genug Nahrung finde.Dann werde ich für eine gewisse Zeit zum Teilzieher, wie die Vogelkundler das nennen".

"Sag mal", meinte ich verdutzt,"mag ja sein, dass das so ist.Aber, woher kennst du die Begriffe der Vogelkundler so genau?"."Könntest du auch wissen",erwiderte Pippes,"brauchtest nur in deinem Smartphone zu googeln und zu lesen, was dort über uns Zaunkönige steht":

 

 

"Wie",fragte ich erstaunt,"du hast ein Smartphone und googelst damit?"."Zu viel der Ehre", grummelte Pippes,"natürlich habe ich selbst kein Smartphone.Aber ich kann Smartphone lesen,wenn einer von euch etwas darauf nachschaut"."Siehst du", sagte ich, über soviel Technikfreundlichkeít bei Pippes erstaunt ," wir Menschen erfinden halt manchmal auch gute und nützliche Dinge"." Ja schon", meinte Pippes, um dann in der ihm eigenen Art loszulegen:"wenn ihr nur richtig und vernünftig damit umgehen würdet !!!"."Tun wir das denn etwa nicht?", fragte ich zurück, wobei ich ahnte, was gleich geschehen würde. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Pippes wirbelte um mich herum, dass mir vor Staunen der Mund offen stand.Vom Fliederbusch auf die Hecke, von dort auf den Bromeerbusch, dann auf den Reisghaufen, zurück auf den Flieder und zuletzt auf die Lehne der Bank, auf der ich im Sommer so gerne Platz nahm. "Hast du schon einmal beobachtet, wie ihr Menschen mit euren Smartphones durch die Gegend lauft?" schrie er." Und das ist ein Dauerzustand bei euch. Immer die Hand nach vorne gestreckt mit dem Ding darin, den Blick stur darauf gerichtet. Und nicht nur die Erwachsenen tun das, sondern auch fast alle Kinder! Ihr solltet daher nicht mehr rechter oder linker Arm sagen, sondern rechter oder linker Handyhalter!". "Ja, findest du das denn nicht schön", warf ich zaghaft ein,"dass wir Menschen nun immer und überall mit all unseren Freunden verbunden sind und mit ihnen kommunizieren können?"."Findest du das denn gar nicht schön, findest du das denn gar nicht schön",äffte Pippes mich nach , um dann so richtig loszupoltern:" IIhr werdet ja noch sehen, was ihr von eurer Handysucht habt. Ihr habt demnächst nicht nur Handyarme, sondern auch Handyellbogen und sogar noch einen Handynacken, weil ihr stundenlang mit gesenktem Kof über den Dingern hängt.Und vom vielen Schreiben wir euer Daumen dick und steif, er wird zu einem SMS - Daumen "."Du übertreibst", lachte ich,"wir leben in einer modernen Zeit und wir Menschen finden es schön, praktisch immer- bei Tag und bei Nacht- für jeden und überall erreichbar und mit anderen Menschen verbunden zu sein. So ist man niemals allein und hat immer Kontakt zu anderen". "Hast du denn schon einmal überlegt", rief Pippes aufgeregt und hüpfte auf der Lehne der Gartenbank hin und her," dass ihr auf diese Weise gar keine Zeit und Ruhe für euch selber habt und durch die ständig wechselnden Kontakte, die im Übrigen fast alle oberflächlicher Natur sind, zwar gut "vernetzt" seid ( wie ihr das nennt), im Grunde aber innerlich leer und einsam. Wenn das Smartphone einmal 10 Minuten nicht klingelt oder vibriert, werdet ihr schon nervös und habt Entzugserscheinungen. Und in Gesellschaft kann es vorkommen,dass vier oder fünf Menschen irgendwo zusammensitzen und - jeder für sich - mit seinem Smartphone beschäftigt ist,statt sich miteinander zu unterhalten". 

"Ja, das ist mir auch schon aufgefallen", räumte ich ein,"aber ich für meinen Teil nutze mein Smartphone sehr zurückhaltend, wie du ja selbst bemerkt haben wirst.Ich sitze lieber im Sommer hier auf der Bank, freue mich an den Blumen und Schmetterlingen", und schmunzeld fügte ich hinzu,"und ganz besonders darüber, wenn du zu mir kommst und mir Vorträge hältst". " Es ist gut, dass du das so machst", behielt Pippes auch diesmal das letzte Wort, und er fügte hinzu," denn die Strahlen , die von den Dingern ausgehen, setzen mir ordentlich zu und ich fürchte sogar, dass sie mich unfruchtbar machen können!".Sagte es und schwirrte davon. Und ich biieb wieder einmal nachdenklich in meinem Garten zurück.

                      PIPPES 4.Folge -                      Kinder, Kinder                

                                                  Efeugarten

 

Ich habe mir natürlich nie eingebildet, dass Pippes meinetwegen in unseren Garten kommt. Es sind wohl die natürlichen Voraussetzungen, die ihn angelockt haben. Denn die Gartenmauern rundum sind dicht mit Efeu bewachsen, es gibt zwei kleine Teiche, einen großen Reisighaufen und hinten zum Nachbargrundstück hin eine nahezu undurchdringliche Hecke. Der ideale Lebensraum aklso für Zaunkönige, die hier überall Nahrung und Deckung finden.In den Efeu schlüpft Pippes blitzschnell hinein und nur ein gelegentliches Rascheln verrät, wo er sich gerade aufhält und sich an Spinnen, Käfern und anderem Kleingetier labt.

Zaunkönige sind Meister im Täuschen und Vertuschen. So habe ich erst bemerkt, dass sich in der hintersten Ecke des Schuppens ein Zaunkönignest befand, als meister Pippes eine flügge gewordene Brut ins Leben hinausführte. Sechs kleine pippesse folgten seinem Lockruf, verließen das schützende Nest undd tummelten  anschließend aufgeregt eine Weile im Fliederbusch. herum. In den darauf folgenden tagen führte Pippes sie in die nähere Umgebung, bis sie sich schließlich auf dem Weg in die Selbstständigkeit zerstreuten.

Als Pippes sich Tage später wieder einmal bei mir einfand und mich herausfordernd anschaute, meinte ich zu ihm:" Na, da habt ihr es ja wieder einmal gechafft, ein halbes Dutzend Pippesse durchzufüttern und ins Leben zu geleiten, nicht wahr?" Mein gut gemeinter Zuspruch brachte Pippes in Rage :" ...ins Leben zu geleiten, ins Leben zu geleiten", echote er und hüpfte

dabei aufgeregt auf dem Brombeerbuch herum," was für eine gewählte Ausdrucksweise für einen ganz normalen Vorgang!" , meinte er.

"Nun", erwiderte ich," was du für einen völlig normalen Vorgang hälst, ist in meinen Augen eine außergewöhliche leistung. Drei Wochen lang warst du unentwegt mit nichts andrem beschäftigt als damit, die kleinen Pippesse aufzuziehen. Für dich selbst blieb da ja gar keine Zeit übrig".

"Na und", meinte Pippes,"das ist nun mal so: wenn du Kinder hast, besteht deine Aufgabe in erster Linie darin, dich um deinen Nachwuchs zu kümmern. Da solltet ihr Menschen euch mal ein Beispiel dran nehmen. Wenn ihr ein Kind bekommen habt, übertragt ihr dessen Pflege und Betreuung nämlich möglichst bald anderen Personen, damit ihr eich - wie ihr so schön sagt - selbst verwirklichen könnt".

"Na hör mal", sagte ich," das kann man doch so nicht miteinander vergleichen. Schließlich dauert es bei uns Menschen ja etwa 20 Jahre, bis ein Kind so selbstständig ist, dass es das Leben ohne Erwachsene meistern kann. Du willst doch wohl nicht verlangen, dass Menschen sich als Eltern so lange intensiv selbst um ihre Kinder kümmern, wie ihr Vögel das tut ? "

"Wieso denn nicht, wieso denn nicht", ereiferte Pippes sich,"wir Zaunkönige werden im Durchschnitt 5 Jahre alt, das sind ca.250 Wochen. Für Brut und Aufzucht wenden wir - zweimal pro Jahr - jeweils 5 Wochen auf. Macht zusammen 50 Wochen, also ein Fünftel unseres Lebens". " Das würde ja bedeuten", meinte ich nachdenklich," dass wir Menschen uns ebenfalls ein Fünftel unseres Lebens intensiv selbst um unsere Kinder kümmern müssten. Bei durchschnittlich 80 Lebensjahren wären das ja pro Kind mindestens 16 Jahre". " Richtig gerechnet", meinte Pippes," aber ich betone : nur 16 Jahre ! Da bleibt doch wohl noch genug Zeit übrig, um sich selbst zu verwirklichen, oder ?!", und weg war er.

Nachdenklich blieb ich zurück.Kann man denn Vögel mit Menschen vergleichen ? Und mit allen anderen Tieren, die sich - wenn sie Junge

haben - alle ebenso intensiv selbst um ihren Nachwuchs kümmern.

Machen wir Menschen da in der Tat nicht etwas falsch, wenn wir die Erziehung unserer Kinder immer früher und immer mehr anderen überlassen, statt uns selbst darum zu kümmern ?

"Mein lieber Pippes", sagt ich zu mir," du kannst einen ja ganz schön in die Enge treiben !"

                                             Zaunkönignest

                    PIPPES 3.Folge -                    Insektenhotel

                                                 Insektenhotel

Der Gesang von Pippes, dem Zaunkönig erfreute mich einmal mehr. Er saß im Nachbargarten oben in der hochgewachsenen Buche und gab aus seinem reichhaltigen Repertoire ein Lied nach dem anderen zum Besten. Als einer der kleinsten einheimischen Vögel verfügen Zaunkönige nämlich über den lautesten und umfangreichsten Gesang. Als er nach 20 Minuten sein Abendkonzert beendet hatte, flog Pippes wieder herab in seinen normalen Lebensraum in Erdnähe und ließ sich auf dem Brombeerbusch neben meiner Bank nieder.  

"Na, Pippes", sagte ich, " nachdem ihr die zweite Brut erfolgreich abgeschlossen habt, drückt dein Gesang ja die pur Lebensfreude aus". 

"Pure Lebensfreude, pure Lebensfreude", schimpfte Pippes." Du hast ja überhaupt keine Ahnung. Ich singe da oben so laut meine Lieder, damit im weiten Umkreis jeder weiß, dass das hier mein Revier ist ! "

"Aber wenn du im Frühling singst", erwiderte ich," lockst du mit deinem Gesang doch die Weibschen an, oder irre ich mich da?" "Richtig", sagte Pippes," eben alles zu seiner Zeit" und er huschte unter den Reisghaufen,

um nach Spinnen, Käfern und Asseln zu suchen.

Nach einiger Zeit kam er zurück und schimpfte gleich drauflos:" Wisst ihr eigentlich, welchen Blödsinn ihr betreibt, wenn ihr in euen Gärten diese Insektenhotels aufhänt?" " Wieso", erwiderte ich," machen doch heute alle zum Schutz für die nützlichen Insekten".

Jetzt verlor Pippes aber völlig die Fassung: "Nützliche Insekten, nützliche Insekten", echote er,"Insekten sind dann nützlich, wenn sie Futter sind für mich und meine Brut. Und ihr macht mir das Leben immer schwerer, indem ihr meinem Futter dazu verhelft, sich in Sicherheit zu bringen".

Nachdenklich geworden meinte ich:" Irgendwie hast du ja recht.Aber so sind wir Menschen nun einmal.Wir wissen zu wenig von der Natur und denken daher oft,etwas ei gut, ohne zu wissen, dass es in Wirklichkeit schädlich ist. Also gut, ich werde das Insektenhotel da drüben wieder abhängen.Ich möchte ja schließlich nicht, dass du am Ende noch durch meine Schuld verhungerst".

Pippes schien das zu gefallen , denn er schlug einen versöhnlichen Ton an." Immerhin ", lobte er mich," bist du einer der wenigen, die in ihrem Garten etwas Unordnung zulassen und nicht jedes Blatt und jedes Ästchen sofort entfernen. Darunter verkriecht sich das Ungeziefer nämlich gerne und ich finde dort manchen Leckerbissen". Und er fuhr fort , " ich habe hier ja bei der Nahrungssuche Konkurrenz genug.Die dicke Kröte , zum Beispiel, die sich drüben unter den Hortensien breitgemacht hat, die frisst schon was weg ! Und neuerdings stöbert auch noch ein gefräßiger Igel in meinem Revier herum".

 

 

                                                   Gartenkröte

"Tja", meinte ich,"dein Leben ist schon ganz schön schwer.". " Schön, dass du das endlich auch so siehst !", rief Pippes beim Wegfiegen." Aber man tut, was man kann!" Und schon war er in der dichten Hecke zum Nachbargrundstück verschwunden. 

                  PIPPES 2.FOLGE -

                       Beim Grillen

„Na“, sagte ich zu Pippes, als er mich das nächste Mal besuchte, „hast wohl gemerkt, dass es hier bald was Leckeres zu essen gibt?“

Ich hatte alles fürs Grillen vorbereitet und wartete jetzt noch darauf, dass die Grillkohle richtig durchgeglüht war. “Aber ich glaube kaum“, fuhr ich fort,

„ dass Bauchspeck, Koteletts oder gegrillte Würstchen das Richtige für dich sind“.

Das Richtige für dich sind, das Richtige für dich sind“, äffte Pippes mir nach. Aufgeregt flog er zwischen dem Gartenzaun und dem Brombeerbusch hin und her, um sich dann für einen kurzen Augenblick oben auf dem Reisighaufen nieder zu lassen. „Du solltest dir mal überlegen, ob das, was du da alles bereit gestellt hast und was du nachher vertilgen willst, für dich das Richtige ist?“ rief er und sah mich dabei herausfordernd an.

„Na hör mal“, erwiderte ich, „das sind alles ganz leckere Sachen, die mir schmecken. Also ist das wohl das Richtige für mich!“

„So, so !“ meinte Pippes aufgeregt. „Und das Bier, das du beim Essen  und danach in dich hineinschüttest ,dann wohl auch ?“ Da er - auch nur für einen Augenblick nicht – irgendwo ruhig sitzen konnte, sauste er bei unserem Gespräch in der ihm eigenen Hektik umher.  „Merkt ihr Menschen eigentlich nicht, dass eure Art zu essen, völlig unnatürlich ist ?“ rief er und fuhr fort, “ihr versetzt alle Nahrungsmittel mit Gewürzen und anderen Geschmacksstoffen, nur, damit sie euch gut schmecken ! „

„ Und was soll daran falsch sein?“, fragte ich erstaunt , „ das ist doch gerade das Schöne beim Essen, dass es einem gut schmeckt.“ „ So, so, dass es einem gut schmeckt !, das ist also der Sinn des Essens ?“, rief Pippes empört. „Und ich dachte immer, man isst, damit der Körper Nahrung und Energie zum Leben bekommt.“„ Bekommen wir die denn bei unserem schmackhaften Essen etwa nicht? „ fragte ich spöttisch zurück.

Da hättet ihr Pippes aber mal in Rage erleben können. „ Und weil es euch  gut schmeckt“, rief er außer sich vor Aufregung, „ weil es euch gut schmeckt, futtert ihr immer die doppelte Menge von dem in euch hinein, was eigentlich nötig ist. Hast du eigentlich schon einmal überlegt, wieso ihr fast alle übergewichtig seid?“ „ Nun ja“ , musste ich eingestehen,“ so ganz unrecht hast du mit deiner Kritik ja nicht. Hinzu kommt ja noch, dass wir uns zu wenig bewegen.“ Doch Pippes war mit diesem Zugeständnis nicht zu beruhigen .

“ Schau mich an“, rief er und sauste wieder um mich herum. „Habe ich auch nur ein Gramm Fett zuviel am Leib ? Könnte ich mir gar nicht leisten, so wie ich herumflitze und auf der Hut sein muss. Macht übrigens kein Tier in der freien Natur. Haben alle eine Fressbremse und fressen nur soviel , wie sie brauchen!“

„Außer, wenn sie Winterspeck anfuttern“, wagte ich anzumerken.„Sag ich doch, sag ich doch ! Aber immer nur soviel , wie sie brauchen!“ rief er und beim Wegfliegen noch , „ brauche jetzt viel , muss nämlich sieben hungrige Schnäbel stopfen !“ Und weg war er .

Nachdenklich blieb ich zurück. Sollte ich mir von diesem frechen Vogel vielleicht die Freude am Grillen verderben lassen ? Mitnichten, dachte ich. Aber, wenn ich das nächstemal grille, werde ich besser vorher den ganzen Tag über nichts essen !

                                                                                          

                    PIPPES 1.FOLGE -              Beginn der Feundschaft

Mein neuer Freund, der kleine Zaunkönig, war wenig erfreut, als ich ihn mit „Pippes“ ansprach.“ Na, du kleiner Pippes , sagte ich zu ihm, als er sich frech neben meiner Gartenbank auf dem Zweig des Fliederbusches niederließ und keck mit dem Schwänzchen wippte. „ Hast wohl gar keine Angst, dass du mir so nahe kommst?“

Ich traute meinen Ohren nicht, als er mir antwortete. Mit feiner Stimme, aber gut und deutlich zu verstehen , meinte er : „ Warum sollte ich? Du siehst nicht aus wie einer, der kleine Vögel frisst!“

Nach einer kleinen Pause fuhr er fort : „ Wieso nennst du mich eigentlich Pippes , was soll das ?“ Ich war zwar überrascht, dass ich mit einem  kleinen Vogel auf diese Weise  ins Gespräch gekommen war, aber ich dachte mir: wenn der heilige Franziskus zu den Tieren des Waldes, auch zu Vögeln,  sprechen konnte, wieso sollte ein Vogel  dann nicht auch  mit mir sprechen können ? „ Ach“, sagte ich etwas verlegen,“ eigentlich nur so, das war ganz spontan, vielleicht , weil du so laut singst und dabei so lustig mit deinem aufgestellten Schwänzchen wippst.“ „ Dann wäre „ Wippes“ doch  vielleicht angebrachter, oder ?“, meinte der kleine Schelm und er fuhr fort:“ Aber eigentlich sind beide Namen unpassend für mich, denn schließlich bin ich ein König!“ Unsere Unterhaltung fing an, mir Spaß zu machen. „ Nun ja“,  sagte ich lachend zu ihm, „ gewiss doch. Aber König von Adlers Gnaden, nicht wahr, ich kenne die Geschichte.“  „ Gar nichts kennst du , du Naseweis“ wies er mich zurecht,“ dass einer meiner Vorfahren den Adler übertrumpft hat , indem er sich hoch in die Lüfte tragen ließ um so noch höher zu fliegen als der Angeber, das hat er nämlich  nicht getan, um den Titel „ König der Lüfte“ zu erhalten. Er hat es gemacht, um dem Adler und allen, die sich groß und gewaltig vorkommen, eine Lektion zu erteilen. Keiner ist nämlich so groß, dass er anderen seinen  Hintern zeigen sollte“. „Danke für die Belehrung“, meinte ich schmunzelnd,“ du sprichst ja eine deutliche Sprache. Wer hat dir beigebracht, so direkt und unverblümt zu sprechen? „ „ Das Leben, mein Freund, das Leben“, sagte der kleine Vogel.“ Er sprang dabei auf seinem Zweig herum und wippte aufgeregt mit seinem hochgestellten Schwänzchen, „ und du solltest dir das auch angewöhnen, du feiner Mensch du. Vieles, was ich bei euch beobachte , stinkt nämlich so sehr zum Himmel, dass jemand unbedingt sagen müsste, dass es kompletter Mist ist, was da gemacht wird. Nur, da seid ihr zu fein dazu, das zu tun!“

Ich war so verblüfft über diese direkte Ansprache, dass mir zunächst die Spucke wegblieb. „Also, hör mal“, sagte ich schließlich,“ was du mir da vorwirfst, das ist ja starker Tobak. Darüber müssen wir uns aber einmal ernsthaft unterhalten.“ „ Beim nächsten Mal “, rief  der kleine Pippes,“  ich habe jetzt Wichtigeres zu tun , ich brauche nämlich was zum Fressen !“

So verlief die erste Begegnung mit Pippes, dem Zaunkönig, meinem neuen Freund.

Nachdenklich blieb ich in meinem Garten zurück und ich ahnte, dass es nicht bei dieser einen Begegnung bleiben würde.

Josef Stiel 

Gerne komme ich nach Terminvereinbarung zu einer Lesung Honorar : Spende für Kinderschutzbund

Kontakt : jostiel@t-online.de

 

Der Roman " Der Harfenspieler" und meine anderen Bücher sind im Buchhandel erhältlich , können aber auch direkt beim Verlag portofrei bestellt werden.

www.shaker-media.eu

 

(Ausnahme : Karl und seine Kumpels)

 

 

 

Man kann in das Buch hineinschauen und die ersten 40 Seiten lesen, um zu sehen, um was es geht und wie es einem gefällt.Dazu muss man ganz einfach bei z.B. www.amazon.de den Titel eingeben und dann bei der e-book-Ausgabe " Blick ins Buch" anklicken.. schon geht es los :-) !

Den Roman gibt es bei den bekannten Anbietern natürlich auch als e-book, z.B. bei amazon ( kindle edition) für € 6,90

Eine e-book-Version - kompatibel mit tolino -können Sie auch beim Verlag erwerben .Dazu www.shaker-media.eu aufrufen und das Buch im Bookshop suchen. Dort finden Sie die e-book-Version als download für 6,90 €

Herzlich willkommen                            

Auf dieser Autorenseite informiere ich Sie über  meine Veröffentlichungen.

DER HARFENSPIELER                             Roman....

....über die richtige Art zu leben, zu lieben und verantwortlich zu handeln.

Mit wem hat Karl der Große wichtige Entscheidungen besprochen ? War es nur der Beraterstab von Experten, die er unter der Leitung  Alkuins in der Aachener Residenz zusammengezogen hatte?

 

Oder waren es vielleicht Personen, die von der Geschichtsschreibung nicht erwähnt werden, die aber gleichwohl eine wichtige Rolle für Karl gespielt haben, weil sie ihm persönlich nahe standen ?

 

In einer spannenden Dreiecksgeschichte führt der Autor seine Leser in die Welt des 8.Jahrhunderts. Er stellt Karl zwei Personen zur Seite, die für seine Entwicklung vom jugendlichen Haudrauf zum verantwortlich handelnden König und Kaiser  von entscheidender Bedeutung sind.

 

Da ist zum einen die von ihm nach nur einjähriger Ehe aus strategischen Gründen entlassene Tochter des Langobardenkönigs Desiderius und da ist zum anderen der fahrende Sänger Arnold, der zusammen mit der Königstochter an den fränkischen Hof gekommen ist.

 

Mit der Entlassung Desideratas ist die Beziehung Karls zu dieser Frau beileibe nicht zu Ende. Im Gegenteil: weil er sie nicht vergessen kann, bittet Karl den Sänger Arnold herauszufinden, wo sie sich aufhält, um sich noch einmal mit ihr zu treffen .....

 

 

Nähere Informationen zum Roman finden Sie bei google unter dem Stichwort : "Josef Stiel Der Harfenspieler".

Natürlich bin ich als " Josef Stiel" auch auf facebook zu finden mit aktuellen Hinweisen zum Roman.

Auf facebook gibt es auch eine Seite " Arnold-der Harfenspieler". Dort findet sich eine Fülle von Informationen über den heiligen Arnold, über die Legenden, die es über ihn gibt, aber auch über den Ort, wo er begraben ist und der seinen Namen trägt : Arnoldsweiler.

Dort befindet sich die Arnolduskapelle, die wunderschöne Deckengemälde enthält und ebenso schöne Glasfenster.

Sie können dieser Seite alle Informationen über meine Bücher entnehmen, indem Sie durch Scrollen einfach darin  herumstöbern.  

Auf diese Weise  finden Sie Informationen über insgesamt 6 Veröffentlichungen.

 

1) Mein jüngstes  Werk  ist ein Roman mit dem Titel :

" Der Harfenspieler" Shaker-Media ISBN : 978-3-95631-175-8 € 19,90

2) Davor habe ich ein Büchlein mit dem Titel :

"Karl der Große erzählt Geschichten" verfasst. Shaker-Media ISBN 978-3-95631-068-3  € 8,90

3) Drei Bändchen aus der Reihe "Früher war alles viel besser...?" enthalten Erfahrungen aus meiner Kindheit und Jugend

 

4) Als Autor habe ich auch an  der Erstellung eines Comic-Buchs mitgewirktmit dem Titel : "Karl und seine Kumpels"

 

 

ARNOLD - DESIDERATA - KARL               Das Beziehungsgeflecht zwischen den drei Hauptpersonen ist recht kompliziert.

Der fahrende Spielmann Arnold fungiert  zwischen dem Frankenkönig Karl und seiner Geliebten, der Langobardenprinzessin Desiderata als Mittler. Karls Massaker an den Sachsen  führt zu einer ernsten Krise

zwischen den Hauptpersonen. Karl entwickelt sich  unter dem Einfluss des Gelehrten Alkuin, aber auch durch die Auseinandersetzung mit Desiderata und Arnold vom jugendlichen Haudrauf zu einem verantwortungsvoll handelnden König und Kaiser. Desiderata wendet sich nach ihrer Trennung von Karl dem Studium der Kräuter zu. Ein von ihr verfasstes Kräuterbuch soll die Gesundheit der Bevölkerung befördern.

Arnold erhält von Karl ein großes Waldgebiet mitsamt zwanzig Weilern und Dörfern zum Geschenk, das er zusammen mit den Bewohnern mit großem Erfolg gemeinschaftlich bewirtschaftet. Der Kontakt zu Karl

bleibt bestehen, da dieser sein Harfenspiel und seine Lieder schätzt. Arnolds besondere Beziehung zu Desiderata führt in schließlich zu ihrem Anwesen in der Bergeinsamkeit ...

Erzähltechnisch kennzeichnet sich der Roman durch Abwechslungsreichtum und Vielfalt aus. Neben erzählen-den Passagen enthält er Dialoge, Reflexionen, Briefe und Gebete und natürlich Lieder, mit denen der Harfenspieler Arnold Karl und die Hofgesellschaft unterhält und erfreut.              

ARNOLD ist kein verknöcherter Heiliger. Er lebt zusammen mit den Bauern in der Dorfgemeinschaft , ist verheiratet und hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Bei deren Geburt stirbt seine geliebte Frau Renate. Doch das Leben geht weiter. Arnold  folgt zusammen mit seinen Kindern dem Königssohn Ludwig nach Aquitanien. Eines Tages erhalten sie dort Besuch von Desiderata.... 

 

DESIDERATA beginnt nach ihrer Trennung von Karl damit, die Wirkung von Kräutern bei der Heilkunde und der Zubereitung von Speisen zu erforschen. Ihre Erkenntnisse dokumentiert sie in einem Kräuterbuch. Für etliche Jahre wird sie Karls Geliebte und Vertraute. Doch es gibt kein happy end ....

KARL der GROSSE findet in Arnold , dem Sänger und Harfenspieler, einen Freund und guten Ratgeber. Ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt,als Karl das Massaker an den Sachsen befiehlt. Auch Desiderata lehnt dieses Vorgehen entschieden ab ....

KARL DER GROSSE ERZÄHLT GESCHICHTEN

Gleiches gilt auch für das neue Buch : Karl der Große erzählt Geschichten Preis 8,90 €

Auch hierbei kann man mit dem Klick auf "Blick ins Buch" einen ersten Eindruck gewinnen.

 

In diesem Büchlein lasse ich den Frankenkönig selbst erzählen, was es so an Geschichten / Legenden / Erzählungen  über ihn und die Großregion Aachen gibt. Manche Texte sind bekannt, andere habe ich etwas umgestaltet und einige neu erfunden. Und noch etwas ist neu : zu den Geschichten habe ich passende kleine Zeichnngen angefertigt, die dem Ganzen eine persönliche Note verleihen.

 

Inhalt

1)    Die Geschichte vom Vergissmeinnicht

2)    Weshalb Aachen meine Lieblingspfalz wurde

3)    Wie die  Aachener den Teufel beim Dombau überlisteten

4)    Wie die Klappergasse in Aachen zu ihrem Namen kam

5)    Die Geschichte von Emma und Einhard

6)    Weshalb das Aachener Wasser nach faulen Eiern riecht

7)    Wie der Ort Mützenich zu seinem Namen kam
 
8)    Arnold rettet mir das Leben

9)    Ich schenke Arnold einen Wald

10)    Wie der Ort Arnoldsweiler zu seinem Namen kam
 
11)    Wie der Aachener Lousberg entstanden ist

12)    Das Rezept für Aachener Printen

13)    Die Gründung der Aachener Domsingschule

14)    Der Heilige Servatius von Tongeren

15)    Der Heilige Hubertus von Lüttich

16)    Das Bahkauv

FRÜHER WAR ALLES VIEL BESSER...?

Mein  erstes Projekt ist ein Gemeinschaftsprojekt . Zusammen mit meinem Kollegen vom Berufskolleg Eschweiler Karl Pütz habe ich die Reihe :"Früher war alles viel besser...?"herausgegeben.

 

In diesen drei Bändchen haben wir die Fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wiederaufleben lassen , zum großen Teil auf der Grundlage von eigenen Erinnerungen, aber auch mithilfe von Zeitzeugen.

 

Die Bücher sind überall im Buchhandel erhältlich, auch im Internet z.B. unter www.amazon.de , www.buecher.de oder direkt beim Verlag www.shaker.de oder www.shaker-media .de

 

Wir kommen nach Terminvereinbarung gerne kostenlos zu Vorlesungen / Diskussionen in Schulen ( ab 8.Klasse aufwärts), Senioreneinrichtungen, Büchereien, Buchhandlungen, Volkshochschule usw.  

 

Diese drei Bücher stelle ich im folgenden vor :

 

 

 

Früher war alles viel besser...? Band 1 Leben ohne Wasserleitung, Kanalanschluss, Heizung, Kühlschrank...

Shaker 2003 ISBN 3-8322-1872-6  9,90 €

 

Dieses ist der erste Band der Reihe, er stammt aus dem Jahre 2003

Sein Inhalt :

  1. Wasser aus dem hauseigenen Brunnen ( de pomp = die Pumpe)
  2. Badetag ( für gewöhnlich samstags)
  3. Auf`s Örtchen gehen  ( mit Spinnen und Käfern auf Du und Du )
  4. Energieversorgung ( Herd und Ofen)
  5. Waschtag ( gebügelt wird morgen )
  6. Selbstversorgungswirtschaft I ( Nahrung aus dem Garten)
  7. Selbstversorgungswirtschaft II ("Haustiere": Kaninchen, Hühner,Schwein)
  8.  Selbstversorgungswirtschaft III (Vorratswirtschaft)
  9.  Freizeitgestaltung I ( einfache Spiele)
  10.  Freizeitgestaltung II ( Drachen basteln uns steigen lassen)
  11.  Brauchtum ( Kirmes, Schützenfest, Mainacht)
  12.  Zusammenfassung und Ausblick

 

Früher war alles viel besser...? Band 2    Schule und andere Erinnerungen                  

Shaker 2005 ISBN 3-8322-4692-4 9,90 €

 

Der zweite Band beschäftigt sich hauptsächlich mit der Schule, wie sie früher war,

behandelt aber auch einige andere Themen.

Sein Inhalt :

I      Leserbeiträge

II    Schule ( für die meisten Volksschule)

III   Schule I ( Der Klassenraum)

IV    Schule II ( Die Ausrüstung der Schüler oder : Vom Tintenfass zum Tintenkiller)

V     Schule III ( Lob und / oder Tadel )

VI    Schule IV (Fächer und Inhalte : Lesen, Schreiben, Rechnen)

VII   Schule V ( Die Lehrpersonen: Versuch einer kritischen Würdigung)

VIII  Schlafen ( Mit angewärmten Ziegeln oder einer Steinhägerflasche)

IX    Bügeln (Plätten) (ebenfalls Frauensache)

X     Abfallentsorgung - ex , hopp und weg damit! (Der rest wurde verbrannt)

XI    An was ich mich auch noch erinnere

XII   Zwei Generationengeschichten

XIII  Zu guter Letzt : Das Nachdenken lohnt

Früher war alles viel besser....? Band 3 Als Sex noch eine Sünde war


ISBN 978-3-95631-068-3, 52 Seiten, 12,90 EUR, Deutsch, Paperback, 12,5 x 20.5 cm
Auch als E-book und epub ( für Lesegeräte) für jeweils 5 €
Näheres bei www.shaker-media.de

Shaker Media 2012 ISBN 978-3-86858-792-0

 

Im dritten und letzten Band unserer kleinen Trilogie geht es um die Befindlichkeit in den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, vor allem um den (Nicht-) Umgang mit allem, was mit Sexualität zu tun hatte.

Inhalt :

I       Einstimmung

II     "Papa, wann lässt du das Kaninchen noch einmal decken?"

III    Zwischen Beharrung und Anpassung 

IV     Bittprozessionen

V      Fronleichnamsprozession

VI     Maiandacht/ Rosenkranzandacht

VII    Sexualität

VIII   Die Frau als  (Nur-) Hausfrau

IX     Zu Hause feiern

X      Erziehung ( Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet)

XI     Nur ein Radio - sonst nichts ?

XII    Elektrische Geräte der Fünfziger Jahre

XIII   Zu guter Letzt ________________________________________________________________________

"Karl und seine Kumpels"   ISBN -978-3-86712-081-4 erschienen 2014 im Grenzecho-Verlag Eupen (GEV) 11 €

In dem Comic-Buch "Karl und seine Kumpels" werden in witzigen Cartoons Episoden dargestellt, die Aufschluss geben über Karl und / oder Personen, die aus seinem Umfeld stammen. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Anja Kipp, Carla Rodrigues und mir.  

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite www.karlundseinekumpels.de

TEXT ÜBER DEN WAHNSINN DES KRIEGES

DANZIG  MÄRZ 1945

 

Prolog

 

Im Westen standen die Alliierten Anfang März 1945 am Rhein. Im Osten stießen die russischen Verbände zur gleichen Zeit in breiter Front nach Westen vor. Für sie war es zur Sicherung ihres Vormarsches unabdingbar, Gotenhafen und Danzig einzunehmen, um den über diese beiden Häfen herbeigeführten deutschen Nachschub an Soldaten und Kriegsmaterial zu unterbinden. Dieses Ziel sollte bis Ende März erreicht werden. Der deutsche Verteidigungsring um die beiden Städte war in einem weiten Bogen gespannt. Mit nur begrenzt zur Verfügung stehenden Kräften versuchte die Führung der 2. Armee flexibel auf die russischen Vorstöße zu reagieren . Durch das Herbeiführen frischer kampferprobter Verbände konnten die russischen Angreifer in der Tucheler Heide noch einmal in für beide Seiten verlustreiche Kämpfe verwickelt werden. Der deutsche Verteidigungsring wurde jedoch immer enger. Mitte März waren die Reste der 2.Armee bis an die Stadtgrenzen von Gotenhafen und Danzig zurückgedrängt worden. In dieser Situation übernahm General von Saucken die Führung der Armee. Die Russen drangen am 23.März bei Zoppot bis an die Ostsee vor. Marschall Rokossowski hatte damit sein erstes Ziel erreicht : der Kessel war geteilt. Angesichts dieser ausweglosen Lage bestand die Strategie von Sauckens darin, die beiden Häfen für den eigenen Nachschub und zum Abtransport von Verwundeten und Flüchtlingen so lange wie möglich offen zu halten, sich nach deren Verlust aber mit dem Rest der Truppe und dem Heer der Flüchtlinge auf die Halbinsel Hela und die Frische Nehrung zurückzuziehen. Marschal Rokossowski wollte sich in Danzig nicht in einen zeit - und kräfteraubenden Häuserkampf verwickeln lassen. Deshalb ließ er am 24.März Flugblätter abwerfen, in denen er die deutschen Soldaten dazu aufrief, sich zu ergeben. Andernfalls werde die Stadt in Brand geschossen. Dies geschah nach Ablauf des Ultimatums am 25. und 26.März.

 

 25.März ( abends)

 

Mir geht der Arsch auf Grundeis, dachte der Soldat, jetzt geht es ans Eingemachte. Und gleichzeitig kam ein anderer Gedanke in ihm hoch, der ihn schon seit Tagen beschäftigte : ob ich diese Scheiße hier wohl überlebe ? Werde ich meinen 30.Geburtstag noch erreichen ( sein Geburtstag war der 14.April ) und werde ich meine Frau und die Kinder jemals wiedersehen ? Er war von Anfang an dabei gewesen in diesem Krieg, der hier begonnen hatte , in dem er zweimal verwundet worden war und in dem er viele brenzlige Situationen überstanden hatte. Das hier aber übertraf alles andere. Sie standen mit dem Rücken zur Wand und es schien keinen Ausweg für sie zu geben.

 

Was sie mit aller Kraft hatten verhindern wollen - sie hatten es nicht geschafft. Der Russe war vorgestern bis zur Ostsee vorgestoßen und hatte am Vortag Zoppot eingenommen. Dadurch war ein Keil zwischen die Kameraden vor Gotenhafen und sie hier am Rande von Danzig getrieben worden. Und nachdem das Ultimatum verstrichen war, mit dem der russische Marschall Rokossowski

sie zur Aufgabe aufgefordert hatte, begann am Nachmittag das anhaltende und zermürbende Bombardement auf Danzig. Die Stadt brannte lichterloh.

Am Morgen hatten sie noch die Panzergrabenstellung östlich von Oliva gehalten, waren aber im Verlauf des Tages auf die Bahndammstellung der Karthäuser Bahn zurückgedrängt worden. Zur Zeit herrschte in ihrem Abschnitt relative Ruhe, während ansonsten von überall her Geschützdonner und Gewehrsalven zu hören waren. Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm, dachte der Soldat. In der Nacht sammeln die Russen ihre Kräfte , um uns im Morgengrauen mit aller Stärke anzugreifen. Sie wussten vermutlich aus abgehörten Funksprüchen , dass die noch verbliebenen Truppenreste sich in hinhaltenden Kämpfen über die Weichsel zurückziehen sollten, um sich im Raum Heubude zu sammeln und neu zu formieren.

Unsere Lage ist total beschissen, dachte der Soldat weiter. Rechts und links von uns fallen die Kameraden wie die Fliegen, Verwundete können nur noch selten geborgen werden, unsere Munition wird immer knapper und warmes Essen gibt es schon seit Tagen nicht mehr. Die Nachrichtenverbindung entlang der Kampflinie ist miserabel, im Grunde genommen sind wir ganz auf uns allein gestellt. Nur unser Instinkt hält uns noch am Leben und die Hoffnung, den morgigen Tag irgendwie zu überstehen. Eigentlich ist es ein aussichtsloser Kampf, dachte der Soldat. Aber wenn ich an die vielen Menschen denke, die dadurch, dass wir unsere Stellung halten, Richtung Nehrung fliehen können , dann weiß ich, dass es des Soldaten Pflicht ist, nicht nur um das eigene Überleben zu kämpfen, sondern auch um die Rettung von Tausenden von Frauen, Kindern und alten Menschen, die in heilloser Flucht die Heimat verlassen haben. Und er sich erinnerte sich daran, wovon die Flüchtlinge berichtet hatten: von Drangsalierungen durch die Russen, von Erschießungen, von Vergewaltigungen. Sich einem solchen Gegner zu ergeben, kam nicht in Frage. Bevor der Soldat vor Erschöpfung und Ermüdung in eine Art Dämmerzustand verfiel, betete er, wie er es sich in den letzten Wochen angewöhnt hatte: lieber Gott, betete er, ich danke dir dafür, dass ich diesen Tag überlebt habe. Halte auch in dieser Nacht und erst recht morgen deine schützende Hand über mich. Heilige Maria, Mutter Gottes, beschütze auch du mich . Und beschütze auch meine Frau und meine Kinder.

 

27.März ( abends)

 

Gott sei Dank ! Zunächst einmal raus aus der Kampfzone, freute sich der Soldat. Er hatte zu dem Teil der 389.Infanteriedivision gehört, der aus der Hauptkampflinie über die Weichsel in den Raum Heubude zurückbefohlen worden war. Hier sollte die Truppe neu organisiert werden, um den restlichen noch im Abwehrkampf stehenden Einheiten Schutz zu gewähren, wenn der Russe sie bis an die Weichsel  zurückdrängen und sie das diesseitige Ufer erreichen würden. Hinter der Bahnlinie, die zur Westernplatte führte, bauten sie Stellungen aus und verlegten Kabel, um die Nachrichtenverbindung entlang der neuen Hauptkampflinie zu gewährleisten. Sollte die Verbindung der Truppenteile unterbrochen werden, würde sie durch Kradmelder aufrecht erhalten. Den Russen mit einer noch einmal geschlossenen Kampflinie so lange wie möglich aufzuhalten, das war aktuell ihr erklärtes Ziel.

Bis auf gelegentliche Fliegerangriffe war es relativ ruhig. Sollte es jedoch den nachrückenden Russen gelingen, die Weichsel zu überschreiten, würde auch hier wieder die Hölle losbrechen. Denn ihr Rückzug hierher war in der Tat die Hölle gewesen. Nicht nur wegen der Feuerbrände, die durch die Straßen von Danzig tobten, nicht nur wegen des völligen Durcheinanders von in panischer Angst fliehenden Menschen , nicht nur wegen der heftigen Kampfhandlungen und Bombardements. Was ich darüber hinaus gesehen habe, dachte der Soldat , hat mich zutiefst erschüttert und die Bilder lassen mich auch jetzt noch nicht los. Ich habe ja schon einiges an Grausamkeiten mitbekommen in diesem verdammten Krieg. Aber was ich gestern an der Olivaer Allee gesehen habe, war für mich bis dahin unvorstellbar. An den Alleebäumen haben die Feldpolizei und SS-Leute alle diejenigen aufgehängt, bei denen sie Fahnenflucht oder Sabotage vermuteten: Soldaten - darunter auch welche mit EK I oder EK II – dann alte Männer, die sich der Einreihung in den Volkssturm widersetzt hatten und sogar junge Mädchen, die versucht hatten, sich der Einreihung in den Sanitätsdienst zu entziehen. Zur Abschreckung hatten die Gehenkten Schilder um den Hals mit Aufschriften wie „ Dauerversprengter“ , „Fahnenflüchtiger“ , „Volksverräter“ oder „ Saboteur“. 

 

Dieser Krieg gerät völlig aus dem Ruder, dachte der Soldat. Kinder und alte Männer ohne jede Kampferfahrung werden als Volkssturmaufgebot bewaffnet und in die Truppe eingereiht. Nicht einmal uniformiert sollen sie mit Panzerfäusten, Gewehren und Pistolen bewaffnet oder als Infanterie- oder Flakhelfer unsere Reihen verstärken. Sie sind aber keine Hilfe für uns, sondern eine große Gefahr, weil sie den Geschosshagel nicht aushalten und weil die Russen sie als Partisanen ansehen und umso erbitterter und rücksichtsloser vorgehen, wenn sie durch bewaffnete Zivilisten Verluste erleiden.

Mit Verbitterung dachte der Soldat an eine Unterredung, die er deswegen mit einem blutjungen Leutnant hatte, der seit zwei Tagen die Kompanie befehligte.

 

In unserer Situation können wir uns keine Gefühlsduseleien leisten, hatte er gesagt. Hier geht es schließlich ums Ganze. Entweder wir bestehen den Kampf , oder wir gehen alle vor die Hunde, wir Soldaten wie auch alle Flüchtlinge. Wer in dieser Situation nicht mit uns ist, der ist gegen uns. So einfach ist das. Und deswegen darf es kein Pardon geben mit Volksverrätern und Feiglingen. Und jeder soll wissen und sehen, was mit denen geschieht, die unseren Kampf nicht ohne Wenn und Aber unterstützen. Wenn wir nicht entschlossen gegen jedwede Form von Sabotage vorgehen, fliegt uns der ganze Laden um die Ohren!  

 

29.März ( nachmittags)

 

Der Soldat wusste : wenn die Kampflinie an der Bahnlinie nicht gehalten werden konnte, sollten sie sich in hinhaltenden Kämpfen Richtung Heubude zurückziehen. Der Ort sollte so lange wie möglich gehalten werden , um von dort den eigenen Rückzug über den Weichseldurchbruch zu sichern , nachdem es in der Zwischenzeit gelungen war , die letzten Flüchtlinge ans andere Ufer zu bringen. Der Russe würde ihnen wahrscheinlich nicht hinter den Weichseldurchbruch folgen, weil diese Operation für ihn gefährlich und sehr  verlustreich sein würde. Er würde sich sehr wahrscheinlich damit begnügen, dass sie auf der Nehrung isoliert waren und keine Gefahr mehr für ihn darstellten. Morgen ist Karfreitag, dachte der Soldat. Wird es ein  Ostern für uns geben ?

 

30.März ( abends)

 

Der Tag war weitgehend ruhig gewesen, abgesehen davon, dass sich - wie auch gestern schon - immer mehr Kameraden aus der Kampfzone hinter den Bahndamm zurückgezogen hatten. Verwundete wurden rückwärts verbracht, die anderen bezogen Stellungen entlang der Bahnlinie. Sie hatten berichtet, dass der Russe dabei sei, seine Kräfte zu massieren. In der Nacht oder am Morgen müsse auf breiter Front mit seinem Angriff gerechnet werden.

Ich habe kein gutes Gefühl , dachte der Soldat. Wir werden unsere Stellungen hier entlang der Bahnlinie kaum halten können. Unsere Kräfte sind einfach zu schwach. Es fehlt an Waffen, Munition, an allem. Die Kameraden, die es bis hierhin geschafft hatten, waren völlig entkräftet und vom mörderischen Einsatz

zermürbt. Wenn uns der Russe hier überrollt, können wir den vorgesehenen geordneten Rückzug vergessen. Wer in dem abzusehenden heillosen Durcheinander die rückwärtigen Stellungen bei Heubude erreicht, kann sich glücklich schätzen. Wenn es dem Russen nämlich gelingt, die Westernplatte zu erstürmen, wird er die Küste entlang auf Heubude vorstoßen. Dann aber gnade uns Gott.

 

Es war jedoch nicht nur die Angst vor dem morgigen Tag, die den Soldaten bedrückte. Was ihn regelrecht mutlos machte, war ein weiteres Gespräch, das er am Morgen mit dem jungen Leutnant geführt hatte. Wir wissen, hatte dieser gesagt, dass von Saucken den Krieg für verloren hält und nur noch ein Ziel hat: euch auf die Nehrung zu bringen, dort die Kapitulation abzuwarten, sich zu ergeben  und in russische Kriegsgefangenschaft zu gehen. Das aber werden wir nicht zulassen. Wenn der Rückzug hinter den Weichseldurchbruch gelungen ist, werden wir das Kommando übernehmen und von Schiewenhorst aus so viele Kameraden wie möglich mit Sybelfähren und Fischerbooten nach Hela und von dort nach Bornholm bringen. Neue Einheiten werden hier zusammengestellt und an die Oderfront gebracht. Dort werden wir den russischen Vorstoß endgültig stoppen. Für unseren abendländischen Abwehrkampf gegen den Bolschewismus brauchen wir jeden Mann. Wenn es uns nämlich nicht gelingt, die barbarischen Horden aufzuhalten, werden diese unser Vaterland überfluten. Und was sie dann unseren ungeschützten Frauen und Kindern antun werden, wissen wir ja zur Genüge. Wir kämpfen hier und heute also nicht nur um das eigene Überleben. Wir müssen immer das große Ganze im Auge behalten, was bedeutet, dass unser Kampf noch lange nicht zu Ende ist, sondern solange weitergeht, bis wir die rote Flut gestoppt haben.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dachte der Soldat, wenn er sich an diese Worte erinnerte. Sie hatten in den vergangenen Tagen immer ein nahes Ende der Kampfhandlungen im Blick gehabt, hatten mit jedem Tag , den sie überstanden hatten, darauf gehofft, dass der Rückzug gelingen und dass sie das Ende des Krieges lebend erreichen könnten. Was danach geschehen würde, stand in den Sternen. Im günstigsten Falle würde ihnen die Flucht über die Ostsee gelingen, an deren Ende dann die Gefangenschaft bei den westlichen Alliierten stehen könnte. Andernfalls erwartete sie hier der Gang in russische Gefangenschaft .

So oder so, Hauptsache war, sie hätten den Krieg überlebt mit der Möglichkeit, eines Tages vielleicht nach Hause zurückzukommen, zurück zur Frau und zu den Kindern.

 

31.März ( später Nachmittag)

 

Die Frau. Die Kinder. Ich muss das hier durchstehen, sagte sich der Soldat immer wieder. Ich will am Leben bleiben, ich will sie wiedersehen !

Am Morgen war der Russe wie von ihnen erwartet in breiter Front nach vorne gestürmt. Die Hauptkampflinie hatte drei Angriffswellen abwehren können. Mit den Granaten aus den verbliebenen Panzern und mit massivem Maschinengewehrfeuer hatten sie den Gegner auf Distanz gehalten. Ein übriges taten die rückwärts postierten drei Flakbatterien, die jeden russischen Panzer, der sich aus der Deckung wagte,

sofort in Stücke schossen. Als sich am Mittag jedoch entlang der Frontlinie

 die Nachricht verbreitete, dass der Russe die Westernplatte erobert hatte , musste die Frontlinie zurückgenommen werden. Zu groß war nun die Gefahr, dass ihre Front von der Küstenseite her aufgerollt werden würde. Ihr Rückzug führte zu starken Verlusten. Die nachrückenden Rotarmisten belegten sie mit massivem Geschosshagel , der seine Wirkung nicht verfehlte. Am frühen Nachmittag gelang es ihnen noch einmal eine Frontlinie zu bilden, deren Feuer den Feind verübergehend auf Distanz hielt. Doch es war abzusehen, dass dieser sie mit nachrückender Verstärkung zeitnah weiter Richtung Heubude zurückdrängen würde.

Die Frau. Die Kinder. dachte der Soldat erneut. Der letzte Brief datierte vom 1.März. Als er ihn erhalten hatte, standen sie 20 km vor Danzig und hofften zuversichtlich auf die zugesagte Verstärkung. Doch diese blieb aus, obwohl die Häfen von Danzig und Gotenhafen noch offen waren und Waffen und Munition hätten herbeigeführt werden können. Seitdem hatten sie sich ständig im Rückzug befunden.

Die Frau. Die Kinder. Wie mag es ihnen ergehen, dachte er weiter, den Blick immer nach vorne gerichtet, von wo der nächste Ansturm der Russen jeden Augenblick erfolgen konnte. Er wusste seine Familie im Harz in Sicherheit. Aus seiner Heimat im Westen Deutschlands waren sie dorthin evakuiert worden, weil auch der Westen jetzt Kriegsgebiet war. Sein Urlaubsgesuch, sie im Harz zu besuchen, war zunächst genehmigt, dann aber verworfen worden. Damals war er noch in Kurland stationiert. Ende Januar aber waren sie von dort in die Tucheler Heide verlegt worden, um den Abwehrring um Danzig und Gotenhafen zu verstärken.

Wenn wir es bis Heubude schaffen, überlegte der Soldat, habe ich einen weiteren Tag überlebt. Denn bei Nacht flauten die Kampfhandlungen normalerweise ab, weil auch der Gegner im für ihn unbekannten Gelände das Risiko klein halten wollte.

Was dem Soldaten aufgefallen war, hatte inzwischen auch der Leutnant bemerkt. Von der Flakbatterie, die vor ihnen auf freiem Feld nahe Gut Rieselfeld positioniert war, kam schon seit geraumer Zeit kein Feuer mehr.

Hatten sie zunächst angenommen, die Feuerpause haben ihren Grund darin,

dass auf russischer Seite keine Feindbewegung erfolgte, wurden sie eines Schlechteren belehrt. Von dort aufflammendes Geschützfeuer blieb ohne Erwiderung . Sie selbst gingen zunächst in Deckung und feuerten dann zurück, „Die haben keine Munition mehr und sind ohne Funkverbindung „, rief der Soldat, “die sollen die Stellung verlassen und sich zurückziehen, sonst werden sie in Klumpen geschossen“. „ Sie haben immerhin noch ein MG und ausreichend Munition“ , rief der Leutnant zurück .“Also müssen sie die Stellung halten und bis zur letzten Patrone kämpfen. Jeder Russe, den sie da vorne umlegen, ist es wert“. „Sie haben zwei fünfzehnjährige Burschen als Helfer dabei. Allein deswegen sollten wir versuchen, sie da rauszuholen“, erwiderte der Soldat.

„ Keine Chance“, schrie der Leutnant,“ oder willst du etwa ohne Deckung mit dem Krad rüberfahren, um ihnen zu sagen, dass sie sich verpissen können?“

„Wenn ich Feuerschutz bekomme, mache ich es“, sagte der Soldat. Und mit Feuerschutz können sie es bis hier schaffen, es sind nicht einmal 300 Meter!“

„Vergiss es!“, rief der Leutnant, ich werde nicht unnötig auch nur einen Schuss darauf verwenden“. Stille ringsum. Niemand ergriff Partei, weder für den Soldaten noch für den Leutnant. „ Ich versuche es!“ rief der Soldat, sprang auf , startete die Maschine und raste los. Ich kann doch nicht tatenlos zusehen, wie sie zusammengeschossen werden, dachte er und raste mit Vollgas auf die Flakstellung zu .Auf halbem Wege sah er, wie jemand in der Stellung einen Stock mit einem weißen Tuch daran Richtung der russischen Angreifer schwenkte. „ Scheiße“, dachte er,“ die Idioten wollen sich ja ergeben!“. Gedankenschnell änderte er seine Richtung und lenkte das Krad Richtung Dünenwald, um dort Deckung zu finden. Aus den Augenwinkeln sah er noch,  

wie zwei russische Kampfflugzeuge im Tiefflug auf die Batterie zurasten und sie beschossen. Was ihn selbst jedoch von der Maschine fegte, war die Explosion einer Granate, die aus der eigenen Stellung abgefeuert worden war.

Der Leutnant hatte befohlen, die Verräter da vorne zu exekutieren.

Ich habe immer gemeint, dass Sterben weh tut, dachte der Soldat, doch ich verspüre keinen Schmerz. Er saß auf dem Boden und sah zu, wie dort, wo sein rechtes Bein vom Körper abgetrennt worden war, unaufhaltsam Blut hervorquoll. Sein letzter Gedanke galt seiner Frau und seinen Kindern.“ Gott, beschütze sie“, flüsterte er, bevor er das Bewusstsein verlor und die Seele seinen Körper verließ.

 

Epilog 

 

Früher habe ich immer geschmunzelt, wenn die Großmutter davon sprach, dass die Seelen der Verstorbenen noch eine Zeit lang an den Ort zurückkehren, wo sie den Körper verlassen haben, weil sie Abschied nehmen wollen von ihrem irdischen Dasein und weil sie nachschauen wollen, ob ihr Leichnam ordentlich begraben wurde.

 

Der Ort, den ich drei Tage nach meinem Tod überblicke, ist ein trostloser Ort.

Er liegt verlassen da und ist übersät mit Bombentrichtern, überall liegt zerstörtes Kriegsgerät herum und dazwischen Tierkadaver, vornehmlich von Pferden, und Hunderte von gefallenen Kameraden. Auch mein ausgebluteter Leichnam liegt dort, daneben steckt mein Krad aufrecht im Schlamm, so, als brauche man nur aufzusitzen und loszufahren. Die Russen haben ihre Toten geborgen. Sie folgten den Deutschen Richtung Weichseldurchbruch und Nehrung. Dort gibt es kaum noch Kampfhandlungen. Unsere Soldaten halten die Russen auf Distanz, diesen genügt es, den Rest dieser deutschen Armee im Schach zu halten.

 

Heute, zwei Wochen später, befinden sich Menschen auf dem Schauplatz der Schlacht, in der ich mein Leben verloren habe. Russische Soldaten beaufsichtigen polnische Frauen, alte Männer und Heranwachsende, deren Aufgabe es ist, die herumliegenden Tierkadaver und die Leichen der toten Soldaten in die Bombentrichter zu bringen. Da der Winter noch einmal mit Frost zurückkehrte, ist deren Verwesung noch nicht weit fortgeschritten. Langsam füllen sich die Löcher mit den Leibern der gefallenen Kameraden. Auch meine sterblichen Überreste finden so ihre letzte Ruhe. Zum Schluss wird alles mit Sand bedeckt, den sie auf Pferdefuhrwerken aus den nahen Dünen herankarren.

 

Wir müssen immer das Große Ganze im Auge behalten, hatte der Leutnant gesagt und rechtfertigte mit diesen Worten doch nur die eigene beschränkte Sicht. Das Große Ganze sehe ich nun in einem ganz anderen Licht. Ich weiß jetzt, dass wir Deutschen diesen mörderischen Krieg vom Zaun gebrochen haben, dem Abertausende von Menschen zum Opfer gefallen sind und der noch immer andauert. Ich weiß jetzt, dass im Namen des deutschen Volkes aus rassistischer Überhebung furchtbare Verbrechen begangen wurden, millionenfacher Völkermord nicht nur an Juden, Sinti und Roma, sondern auch an der Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten. Ich weiß jetzt, dass der Hass, den wir dadurch bei den Unterdrückten erzeugt haben, sich nun in gewalttätigen Gegenreaktionen entlädt. So gebiert jeder Krieg immer neue grausame Taten und es ist kein Ende in Sicht. Wir können diesem Tun nicht Einhalt gebieten. Es liegt an den Menschen selbst, die Lehren aus dem Ergebnis ihres mörderischen Handelns zu ziehen und sich endlich für Frieden einzusetzen statt für Krieg.

Nun, da meine sterblichen Überreste in der Erde ruhen, will ich meine Energie darauf verwenden, meine Familie, meine Frau und meine Kinder auf ihrem Lebensweg schützend zu begleiten.             

 

               

              

 

 

 

Ein Ort des Gedenkens

Der deutsche Soldatenfriedhof am Olivaer Tor

Angesichts der Gräueltaten von SA,SS, der Feldgendarmerie und deutscher Soldaten an polnischen Kriegsgefangenen und Zivilisten erklärte sich das Bestreben der Polen, nach dem Kriegsende alle deutschen Spuren beseitigen zu wollen. Im Gefolge dieser Bestrebungen wurden auch alle in Danzig aus früherer Zeit vorhandenen deutschen Friedhöfe planiert. Im Zuge der Völkerverständigung ist es dem „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ gelungen, in Abstimmung mit den polnischen Behörden auf dem Friedhof am Olivaer Tor ein Gräberfeld anzulegen, auf dem die Überreste von deutschen Soldaten beerdigt werden können. Dieser Friedhof wurde im Jahre 2000 offiziell eingeweiht.

Auf dem Gräberfeld wurden und werden die Gebeine deutscher Soldaten beerdigt ( identifiziert oder unbekannt), die man gefunden hat und zukünftig noch findet. Tausende in der Schlacht um Danzig   gefallene deutsche Soldaten wurden nämlich nicht ordnungsgemäß beerdigt, sondern lediglich in Schützengräbern und Bombentrichtern verscharrt und werden heute z.B. bei Bautätigkeiten aufgefunden.